Die erste Studie zum Stress und zur Gesundheit der Selbstständigen

Ein Unternehmer von fünf befindet sich am Rande eines „Burnout“

Die Universität Lüttich hat die erste belgische Studie zum Gesundheitszustand der belgischen Unternehmer ausgearbeitet. Das Hauptthema war dabei das stillgeschwiegene Leid der Arbeitgeber.
Die Sorge um die Gesundheit der Arbeitnehmer ist schon seit vielen Jahren ein Thema  und wird auch sorgfältig von der Arbeitsmedizin überwacht. Seit einigen Jahren ist sogar die Rede vom so genannten „Wohlbefinden am Arbeitsplatz“. Die Mediziner und Wissenschaftler sorgen sich um die Gesundheit von Führungskräften, Angestellten und Arbeitern, bei denen die Hauptursache für einen Ausfall durch Krankheit der „Burnout“ ist.
In Belgien bestand bisher noch keine Studie über die Gesundheit und den Stress von Selbstständigen und Betriebleitern von kleinen und mittelständigen Unternehmen. Die Universität von Lüttich (ULg) hat nun diese Lücke in Zusammenarbeit mit der UCM und der zuständigen Kammer für das Baufach (Chambre de la Construction - CCL) gefüllt und eine Studie zu diesem Thema erstellt. Diese Studie wurde von Professor Philippe Mairiaux (Arzt und Spezialist in Sachen Arbeitsmedizin) und Isabelle Hansez (Doktor in Psychologie) überwacht. Das Ergebnis ist alarmierend: fast ein Arbeitgeber von fünf weist beunruhigende Symptome für einen bevorstehenden Burnout auf.
Die UCM kontaktierte 6.300 Mitglieder innerhalb der Provinzen Lüttich und Luxemburg und die zuständige Kammer für das Baufach 856 Mitglieder. Diese wurden gebeten, den Fragebogen auszufüllen, den die beiden Arbeitgeberorganisationen zusammen ausgearbeitet haben.
1.289 Selbstständige (18 % der Angeschriebenen) beteiligten sich an dieser Umfrage und schickten den ausgefüllten Fragebogen zurück, was eine außergewöhnlich Hohe Rückmeldungsrate ausmacht.
Bei den Beteiligten handelt es sich um 12 % Selbstständige, die alleine arbeiten, 57% Unternehmensleiter, die eine bis vier Person(en) beschäftigen, 15 %, die fünf bis neun Personen und 16 %, die zehn Personen und mehr beschäftigen.
Das Durchschnittsalter beträgt 47,8 Jahre und die Altersgruppe, die am meisten vertreten war, ist die von 46-55 Jahre (35 %). Die Frauen sind etwas weniger vertreten (21,5 %) und die Beteiligten sind im Durchschnitt älter als die von Anfang an visierten 7.256 kontaktierten Personen. Die Verantwortlichen der Umfrage haben nachgeprüft, dass diese Tatsache das endgültige Resultat aber nur am Rande beeinflusst.
Das Ausbildungsniveau der Beteiligten ist eher hoch. 64 % davon leiten ihr Unternehmen seit mehr als zehn Jahren. Mehr als acht von zehn Unternehmern leben in Partnerschaft. Die Gründe für ihre Entscheidung ein Unternehmen zu Gründen sind, in folgender Reihenfolge, die Leidenschaft zu ihrer Arbeit, der Innovationsgeist, die Freiheit, sich im Beruf entfalten zu können. Der finanzielle Aspekt kommt hier erst an fünfter Stelle.
 
Zuviel Arbeit
Die Selbstständigen arbeiten enorm viel. Ungefähr 40 % arbeiten mehr als 60 Stunden pro Woche und nur 5 % arbeiten weniger als 40 Stunden pro Woche. Davon nehmen sich 28 % nur einen Tag pro Woche frei und 18 % genehmigen sich keinen einzigen freien Tag. Ungefähr einer von vier (23,7 %) nimmt sich weniger als zehn Tage frei pro Jahr und ungefähr 30 % nehmen sich zwischen zehn und zwanzig Tage Urlaub. Mehr als die Hälfte der Selbstständigen gönnen sich weniger freie Tage als das gesetzlich vorgeschriebene Minimum an freien Tagen für Arbeitnehmer.
Die Hauptstressfaktoren stellen sich in folgender Reihenfolge dar: die enorme Arbeitsbelastung, die Verwaltungsarbeiten, die Verwaltung des Personals und finanzielle Schwierigkeiten. In dieser Hitliste befindet sich ein Element, das bezeichnend ist für Belgien: die Verwaltungsarbeiten. Bei mehr oder weniger gleichen Studien in Frankreich kam dieses Problem nicht so zum Vorschein…
Der Gesundheitszustand
Bei der Nachfrage zu ihrem Gesundheitszustand gaben 67 ¨% der Selbstständigen eine positive Beurteilung ab und 6,6 % befinden sich in einem „schlechten bis sehr schlechten Gesundheitszustand“. Die gleiche Umfrage bei Arbeitnehmern ergab das 82 % ihren Gesundheitszustand für positiv bewerten und 1,7 % schlecht bis sehr schlecht. Der Unterschied ist also bedeutend!
Die Selbstständigen rauchen auch nicht mehr, als der Durchschnitt der Bevölkerung (23,7 %) und gehen auch nicht weniger sportlichen Tätigkeiten nach (40 %). Im Gegenzug schlafen etwa 21,8 % der Selbstständigen weniger als 6 Stunden pro Nacht, was schon verhältnismäßig wenig ist. Ein weiteres Problem stellt der hohe Alkoholkonsum dar. Trotz der Anonymität der Umfrage haben 12 % der Beteiligten nicht auf diese Frage geantwortet. Von denjenigen, die diesen Abschnitt ausgefüllt haben, erklären 11 % dass sie mehr als 21 Gläser Alkohol pro Woche trinken (=medizinische Alarmgrenze). 29 % haben angegeben, dass sie gelegentlich trinken „um durchhalten zu können“.
Das Burnout-Syndrom ist international nicht als Krankheit anerkannt, sondern gilt als ein Problem der Lebensbewältigung. Es handelt sich um eine körperliche, emotionale und geistige Erschöpfung aufgrund beruflicher Überlastung. Diese wird meist durch Stress ausgelöst, der wegen der verminderten Belastbarkeit nicht bewältigt werden kann.
Dies kann zu Depressionen, Aggressivität, erhöhte Suchtgefährdung  und Aufgabe der Tätigkeiten führen.
Laut Experten der Universität Lüttich weisen 19 % der befragten Chefs von KMU eine hohe emotionale Erschöpfung vor, was ein typisches Alarmsignal für einen Burnout darstellt. Das ist fast eine Person von fünf.
Union&Actions Nr. 65
Freie Übersetzung : M. Bach

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