Die stärkste Marke ist der Meister - Ja zum Meister!

Das Handwerk – die Wirtschaftsmacht von nebenan

Die Regierung der Bundesrepublik Deutschland will in einigen Berufen den Meisterbrief wieder zur Voraussetzung für eine selbstständige Tätigkeit machen.

Abschaffung der Meisterpflicht führt zu mehr Fachkräftemangel

Zum 1. Januar 2004 hatte die damalige Bundesregierung für 53 der 94 Handwerksberufe die Meisterpflicht abgeschafft. Nach den Zahlen des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) hat sich in diesen Gewerken die Zahl der Betriebe seitdem deutlich erhöht, während die Zahl der Auszubildenden gesunken ist. So gab es 2004 beispielsweise rund 25.500 Fliesenleger-Betriebe mit 3.000 Auszubildenden. 2016 waren es schon 69.700 Betriebe, aber nur noch 2.200 Lehrlinge.

Die mit der Novelle der Handwerksordnung verbundene Hoffnung, durch die Abschaffung der Meisterpflicht mehr Fachkräfte zu bekommen, hat sich nicht erfüllt.

Im Gegenteil: Es waren und es werden weniger. Darunter leiden auch die Kunden handwerklicher Produkte und Dienstleistungen. Die inzwischen langen Wartezeiten auf Handwerker geben einen Vorgeschmack darauf, was uns blüht, wenn wir nicht wieder mehr Fachkräfte gewinnen. Die Abschaffung der Meisterpflicht jedenfalls – das lässt die Entwicklung der vergangenen Jahre sehr deutlich werden – war wahrlich kein Beitrag, um mehr und qualifizierte Fachkräfte zu bekommen.

Meistertitel als Qualitätsausweis

Vor diesem Hintergrund begrüßt das Handwerk Initiativen, die die Meisterqualifikation und den Meistertitel als Qualitäts- und Qualifizierungsausweis wieder stärken wollen.

Dabei gehe es darum, die damalige Entscheidung in ihren Auswirkungen zu überprüfen und dort zu korrigieren, wo Fehlentwicklungen offensichtlich seien. Es wurde festgestellt, dass die Ausbildungszahlen zum Teil drastisch zurückgegangen sind und es zudem auch einen deutlichen Rückgang an Meisterprüfungen gegeben hat. Wenn es immer weniger Meister gibt, ist die Weitergabe von Wissen und qualifizierter Ausbildung gefährdet, teils findet sie bereits heute nicht mehr statt. Damit wird eine Dequalifizierungsspirale in Gang gesetzt, die alles andere ist als das, was gegenwärtig gebraucht wird. Hier muss gegengesteuert werden.

Dequalifizierungsspirale führt zu unzureichendem Verbraucherschutz

Viele Solo-Selbstständige verschwinden laut ZDH schnell wieder vom Markt, im Bereich Bau- und Ausbau oft schon innerhalb der fünfjährigen Gewährleistungsfrist, was im Sinne des Verbraucherschutzes durchaus bedenklich sei. Dass es bei einer Wiedereinführung der Meisterpflicht aus ZDH-Sicht einen Bestandsschutz für diejenigen geben müsse, die sich in der Zwischenzeit ohne Meisterbrief selbstständig gemacht haben, sei klar. Klar ist auch, dass eine Neuregelung europafest und verfassungskonform sein muss. Deshalb wurden zwei Gutachten in Auftrag gegeben, die diese Fragen prüfen.

Meisterbrief als Gütesiegel

Der Meisterbrief ist das Gütesiegel im Handwerk. Wer diesen Titel trägt, verfügt über theoretische und fachliche Kenntnisse, die qualitativ hochwertige Arbeit ermöglichen.

Die stärkste Marke ist und bleibt der Meister. Die Wiedereinführung der Meisterpflicht würde in den zulassungsfreien Gewerken wieder zu mehr Wettbewerbsgerechtigkeit und zu fairen Marktbedingungen führen

Effekte auf die Ausbildungstätigkeit 

• Die Ausbildungsleistung der zulassungsfrei gestellten Gewerke hat sich infolge der Deregulierung verringert.

• Dieser Effekt tritt nach der Wiedereinführung der Ausbilder-Eignungsverordnung für die deregulierten Gewerke im Jahr 2009 auf.

• Aus den Studienergebnissen lässt sich schließen, dass die Abschaffung der Meisterpflicht einen negativen Einfluss auf die Ausbildungsleistung des Handwerks hatte. 

Ökonomische Effekte

• Die Zahl der Unternehmen sowie Markteintritte und -austritte haben zugenommen.

• Die Zahl immigrierter Unternehmer sowie die Beschäftigung von Migranten hat zugenommen.

• Es zeigt sich kein beziehungsweise ein schwach negativer Effekt auf die Einkommen der Unternehmer und Angestellten.

• Die Effekte auf Preise und Marktvolumen sind bislang ungeklärt.

Quelle: Zeitung "Handwerkswirtschaft"



 

 



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