Fachkräftemangel in Ostbelgien

Der Fachkräftemangel ist für Ostbelgien eine "reale Bedrohung".Zu dieser unmissverständlichen Einschätzung kommt das Institut für Beschäftigung und Employability (IBE) aus Ludwigshafen im Rahmen einer wissenschaftlichen Untersuchung. Doch die Deutschsprachige Gemeinschaft kann etwas unternehmen – im Rahmen ihrer Möglichkeiten.

Fachkräftebündnis

Die Regierung der DG möchte gemeinsam mit den Entscheidungsträgern aus der Arbeitsvermittlung, der mittelständischen Ausbildung sowie der Wirtschaftsförderung mit einem „Fachkräftebündnis“ gegen den Fachkräftemangel ankämpfen. Diese regionale Verantwortungsgemeinschaft startete Anfang 2019.

Online-Arbeitgeberbefragung

Kontaktiert wurden für die wissenschaftliche Untersuchung alle ostbelgischen Arbeitgeber, von denen sich 325 beteiligten – was einer Rücklaufquote von 15,4 Prozent entspricht. Die Untersuchung umfasste eine leitfadengestützte Interviewreihe sowie eine großteilige Online-Arbeitgeberbefragung. 

Schwierigkeiten bei der Suche nach geeigneten Fachkräften

Auffallend: 89 Prozent der teilnehmenden Arbeitgeber beklagen Schwierigkeiten bei der Suche nach geeigneten Fachkräften. Von diesen 89 Prozent beurteilen 40 Prozent die Lage sogar als „sehr schwierig“, weil sie keine geeigneten Fachkräfte finden. Besonders betroffen sind Arbeitnehmer in der Eifel sowie sehr große (über 200 Beschäftigte) und sehr kleine (bis zehn Beschäftigte) Unternehmen und Institutionen. Am stärksten betroffen sind die Dienstleistungsbetriebe (Krankenpfleger, Pflegehelfer, Lehrer, Kindergartenassistenten), das Handwerk oder das Baugewerbe. Dabei planen 60 Prozent der teilnehmenden Betriebe bzw. Institutionen in den kommenden fünf Jahren Neueinstellungen.

Ursachensuche

Der Fachkräftemangel ist eine reale Bedrohung, die schon erste Folgen zeigt. Die Ursachen für diese Entwicklung liegen im demografischen Wandel (die Arbeitnehmer werden immer älter), in den hohen Lohnnebenkosten (besonders hohe Kluft zwischen Brutto- und Nettolöhnen im Vergleich zu Luxemburg), aber auch in den veränderten Erwartungshaltungen der jüngeren Generation.

Hilfreiche Maßnahmen der öffentlichen Hand aus Sicht der Arbeitgeber

Als äußerst hilfreich in Bezug auf die Gewinnung von Fachkräften würden die teilnehmenden Betriebe und Institutionen an der Arbeitgeberbefragung folgende Maßnahmen der öffentlichen Hand erachten:

-        Reduzierung der Lohnnebenkosten

-        Unterstützung bei der Vermittlung von geeigneten Fachkräften

-        Finanzielle Beihilfe für die betriebliche Ausbildung von Fachkräften

-        Ausbau der öffentlich geförderten Weiterbildungsprogrammen

-        Verstärkte finanzielle Unterstützung bei der betrieblichen Ausbildung (Lehre und andere Ausbildungen)

Zahlreiche Maßnahmen, die unweigerlich auch die Attraktivität als Arbeitgeber mit beeinflussen, sind bereits vorhanden und sollten weitergeführt werden.  

Fazit und Ausblick 

Wie kann es gelingen, Fachkräfte in der Region zu halten? In Bezug auf diese Fragestellung ist die Entlohnung ein zentraler Faktor für die Fachkräftesicherung. Dieser Faktor kann jedoch kaum auf Ebene der Deutschsprachigen Gemeinschaft beeinflusst werden. Sozialabgaben und Lohnsteuern befinden sich letztlich in föderaler Zuständigkeit.

Die Potenziale in der Region ausschöpfen – Erste Empfehlungen

Eine Chance ist darin zu sehen, dass es jetzt schon vermehrt Rückkehrer nach Ostbelgien im Alter ab etwa 35 Jahren gibt: Auf diesem Potenzial sollte laut Experten der Fokus liegen und mit entsprechenden Anreizen geworben werden. Zuerst muss es gelingen, die regionale Verbundenheit in den Vordergrund zu rücken und die Vorteile der Region aufzuzeigen. Hierfür ist auch Öffentlichkeitsarbeit gerade für Einheimische wichtig, um den Wert der Region und der Heimat wieder ins Gedächtnis zu rufen. Ein konkreter Schritt hierzu könnte sein, günstigen Wohnraum anzubieten und auf familienfreundliche Wohngegenden zu setzen. Um gleichzeitig das Pendeln zu verhindern, müssen hiesige Betriebe ebenfalls ihr Angebot hinsichtlich Familienfreundlichkeit ausbauen. Ein weiteres großes Potenzial wird in der Arbeit mit Schulen gesehen. Wenn es Betrieben und Institutionen gelingt, junges Fachkräftepotenzial schon früh an sich zu binden und diese von interessanten Tätigkeitsprofilen sowie einem guten Betriebsklima zu überzeugen, wird eine Abwanderung der Fachkräfte unwahrscheinlicher. Nicht zuletzt der Bereich der Lehrberufe im Handwerk oder im produzierenden Gewerbe kann hiervon stark profitieren und das Imageproblem damit wirkungsvoll bekämpfen. Bestehende Maßnahmen werden bereits positiv bewertet, jedoch geschieht laut Experten noch zu viel auf dem Papier. Konkrete Kooperationen und Vermittlungen zwischen Schülern und Arbeitgebern sowie zeitliche Ressourcen müssen stärker umgesetzt werden.





 

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