Sommerschlussverkauf 2021

Der diesjährige Sommerschlussverkauf (SSV) findet vom 1. Juli bis zum 31. Juli statt.

 Allgemeine Regeln:

 Alle Sektoren können sich an den Verkäufen beteiligen, vorausgesetzt, dass die ausverkauften Produkte mindestens 30 Tage vor Beginn der Verkäufe Teil des Lagerbestands des Unternehmens sind. Die Waren sollten demnach mindestens 30 Tage vor Beginn des Schlussverkaufs zum Verkauf angeboten werden UND im Besitz des Unternehmens am Anfang des SV sein.

Es ist daher verboten, während der Verkaufsperiode nachgefüllte Artikel zu verkaufen. (mit seltenen Ausnahmen, z.B. fehlendes Zubehör).

Verlustverkäufe sind in diesem Zeitraum erlaubt.

Beim Schlussverkauf muss das Unternehmen reduzierte Preise anwenden. Dies bedeutet, dass eine Ankündigung einer Preissenkung wirksam und nicht irreführend sein muss, sie muss auf einen Preis angewendet werden, der zuvor für einen bestimmten und angemessenen (also nicht z.B. einige Tage) Zeitraum berechnet wurde.

Es sei daran erinnert, dass der Begriff „Schlussverkauf“ nur im Monat Juli, bzw. Januar verwendet werden darf, während Räumungsverkäufe und andere Verkaufsförderungsmaßnahmen das ganze Jahr über stattfinden können.

Die Wartezeit vor dem Schlussverkauf

Die Wartezeit ist der Zeitraum von einem Monat vor Beginn dem Schlussverkauf. Die Wartezeit vor dem Sommerschlussverkauf findet vom 1. Juni bis zum 30. Juni statt.

Sie ist auf die Sektoren Bekleidung, Lederwaren und Schuhe beschränkt (laut Artikel VI. 29 § 1 des WGB).

Händler in diesen Sektoren dürfen während dieses Zeitraums keine Preissenkungen ankündigen;

Preisnachlässe sind erlaubt. Es sind die Ankündigungen von Reduzierungen, die verboten sind;

Gemeinsame Angebote, d.h. Kopplungsverkäufe (z.B. 2+1 gratis oder 20% auf den Kauf von 2 Stück) sind erlaubt.

Die Wartezeit soll dem Verbraucher die Garantie geben, dass die Rabatte, die ihm während eines Schlussverkaufs im Sommer oder im Winter gewährt werden, sich auf die tatsächlich praktizierten Preise beziehen und gibt dem Unternehmen die Garantie, dass alle Unternehmen gleichzeitig mit dem SV anfangen.

Dies bedeutet aber nicht, dass in anderen Sektoren uneingeschränkt Preisermäßigungen angekündigt werden dürfen.  Die üblichen Regeln bezüglich Preisreduzierungen sind dann anwendbar.  Die angeschlagenen Rabatte müssen auf die niedrigsten angewandten Preise berechnet werden, die vor dem Schlussverkauf praktiziert wurden.

 Verbot von Ermäßigungsanzeigen

Während der Wartezeit ist es verboten, durchgestrichene Preise, Preisermäßigungen in Prozent oder sogar Werbeslogans anzuschlagen, die derartige Nachlässe vermuten lassen.  Das Verbot betrifft auch die Verbreitung von Gutscheinen, die Anrecht auf eine Rückerstattung gleich welcher Art geben.

Die Regelung gilt für jegliche Form des Verkaufs, einschließlich Online-Verkäufe im Internet.

Die Bestimmungen beschränken sich auf Ankündigungen und Hinweise von Preisermäßigungen.

Das Verbot gilt nicht für :

1)Verkäufe bei gelegentlich stattfindenden Veranstaltungen (Braderie) :

  • wenn diese während der Wartezeit organisiert werden;
  • wenn sie eine maximale Dauer von 4 Tagen nicht überschreiten;
  • wenn sie durch lokale Verkäufergruppierungen oder mit deren Teilnahme organisiert werden.

2) Verkäufe von Lebensmitteln

3) Kopplungsverkäufe (Mengenrabatt)

Kopplungsverkäufe werden vor dem Gesetz nicht gleichgestellt mit Preisreduzierungen und sind daher zu keinem Zeitraum verboten.  Sie können ebenfalls in der Sperrzeit praktiziert und angegeben werden. (Beispiel : 2 Artikel + 1 gratis, Prozente bei Mehrkauf)

4) Neueröffnung:

Bei einer Geschäftsübergabe oder Neueröffnung dürfen Preisreduzierungen angekündigt werden.

Ankündigungen von Preisreduzierungen während des Schlussverkaufs oder außerhalb der  Wartezeit

Die angekündigte Preisreduzierung während des Schlussverkaufs (z.B. vom 1. Juli bis 31. Juli) muss auf den niedrigsten Nettopreis, der während eines bestimmten Zeitraums vor dem Schlussverkauf angewandt wurde, berechnet werden.  Bei Kontrollen bzgl. der angewandten Preise sollte der Geschäftsmann Beweise (z.B.: Rechungen, Kassentickets, E-Mails, Anzeigen, Faltblätter, usw.) vorlegen, um den reduzierten Preis zu rechtfertigen. Ankündigungen von Preisermäßigungen sind demnach auch außerhalb des Schlussverkaufs erlaubt. Sie dürfen nicht irreführend für den Kunden sein. Bei Mengenrabatten (2 + 1 gratis oder beim Einkauf von 3 Artikeln: 60% Reduktion) sollte der Nettopreis eines jeden Artikels angegeben werden.

Beispiele :

 Fall 1 : Ein Geschäftsmann verkauft zum ersten Mal ein neues Modell eines Mantels an 100 €.  Nach einer Woche hat er noch kein einziges Exemplar verkauft und senkt somit den Preis auf 50 €.  Er kündigt eine Preisreduzierung von 50 % an.

Antwort : Eine solche Preisreduzierung kann nicht als betrügerisch angesehen werden, wenn die Preisreduzierung im Verhältnis zum „Referenzpreis“ (100 € während nur einer Woche) nicht länger als 1 Woche dauert.  Unter Berücksichtigung der Verhältnismäßigkeit ist eine angekündigte Preisreduzierung während einer Woche vernünftig und wird nicht als betrügerisch angesehen.  Nach dieser Woche kann der gleiche Preis (nämlich 50 €) angewandt werden, aber die Ankündigung der Preisreduzierung muss zurückgezogen werden.

Zusätzliche Nuance : durch die Anzeige von Ermäßigungen soll der Käufer zum schnelleren Einkauf der reduzierten Ware angeregt werden.  Die Art und Weise der angekündigten Preisreduzierung ist demnach ausschlaggebend.  Falls die Anzeige vermuten lässt, dass das Sonderangebot nur für eine sehr kurze Dauer vorgesehen ist, obwohl dies gar nicht stimmt, muss diese als betrügerisch angesehen werden.

Fall 2 : Ein Geschäftsmann verkauft eine Jeans-Hose an 100 € vom 1. April bis zum 25. Juni. In den letzten Tagen vor dem Schlussverkauf verkauft er diese an 200 € und vom 1. bis 31 Juli an 100 € und gibt eine Preisreduzierung von 50 % während des Schlussverkaufs an.

Antwort : Es handelt sich hier eindeutig um eine betrügerische Preisangabe, da die angekündigte Preisreduzierung sich immer auf einen praktizierten Preis während eines gewissen Zeitraums vor dem Schlussverkauf beziehen muss.  Der Käufer muss von wirklichen Vorteilen profitieren, wenn er reduzierte Ware einkauft.

Fall 3 : Ein Geschäftsmann verkauft Stiefel zum Preise von 120 € von Januar bis Mai.  Er senkt den Preis vorübergehend im Juni und bietet die Stiefel im Sonderangebot für 60 € an.  Im Monat Juli verkauft er die Stiefel an 90 € und kündigt eine Preisermäßigung von 25 % an (er nimmt den ersten Preis als Berechnungsgrundlage).

Antwort : Neben der Tatsache, dass das Sonderangebot nicht konform mit der Gesetzgebung bzgl. der Wartezeit vor dem Schlussverkauf (laut Art. VI.29 des WGB) ist, stellt dieses Angebot eine betrügerische Geschäftspraktik dar, da die Reduktion auf einen Preis berechnet wird, der vor mehr als 1 Monat angewandt wurde, obwohl ein tieferer Preis während eines Monats vor dem Schlussverkauf angekündigt wurde.

Weitere Informationen bzgl. der Richtlinien für Preisnachlässe finden Sie auf Deutsch unter:

https://economie.fgov.be/sites/default/files/Files/Entreprises/Richtlinie-Ankuendigiung-von-Preisnachlaessen.pdf

https://economie.fgov.be/fr/themes/entreprises/guidance